Gerade im noch jungen Thema Social Media gibt es zahlreiche Mythen und Missverständnisse. Leider schrecken diese Mythen so manches Unternehmen ab und führen oftmals zu Fehlentscheidungen. Manche Social Media Mythen sind so alt wie Social Media selbst, deshalb beziehen sie sich des öfteren auf eine Situation und Ausgangsbasis, die schlicht nicht mehr existiert. Der Wandel von Marketing durch Hinzunahme von Social Media in einen Marketing-Mix hat die Kommunikation auf Firmenebene mittlerweile zwar verändert, allerdings halten sich die Mythen rund um das Thema Social Media nachhaltig. Angeregt durch einen Helden in Xing mit dem ich mich in den letzten Tagen durch den einen oder anderen Social Media Mythos gehangelt habe, sind diese Social Media Mythen mal von mir ein wenig intensiver betrachtet worden:

Engagement am Wochenende lohnt sich nicht.

Es gibt mittlerweile verschiedene Studien diese zeigen, dass die Interaktion an Wochentage höher ist als am Wochenende, allerdings ist dies zum einen natürlich abhängig von der Ziel- bzw. Fangruppe und dennoch sollte man gerade am Wochenende eine Moderation von Kommentaren und aktives Community Management betreiben, denn auch am Wochenende werden Artikel gelesen, haben Kunden und Interessenten Fragen, und können Probleme auftreten. Fahrlässig ist, das Engagement am Wochenende rein aufgrund einer vermeintlich geringeren Interaktion einzustellen.

Führungskräfte müssen in den Social Media sichtbar sein.

Hier können wir ein klares „Jein“ als Antwort geben. Wenn Führungskräfte sich eine Personenmarke aufbauen und sich klar positionieren sollen, ist Social Media hierfür sicherlich ein wichtiger Kanal, doch wenn sich Führungskräfte in Corporate Blog einbringen und auf den Kanälen des Unternehmens auftreten sollen wird die Unternehmung schnell wackelig. Nur wer fürs Schreiben oder gar für einen Auftritt vor der Kamera geboren ist, kann das Unternehmen nachhaltig und Shitstorm-frei (re)präsentieren – alles andere schadet dem Unternehmen und der Kommunikation des Unternehmen mehr als sie nützt.

In den Social Media verlieren Unternehmen die Kontrolle.

Diese skeptische Grundhaltung ist eher ein Problem wie ein Mythos – denn wie bei vielen neuen Dingen, stehen auch Unternehmen meinst dem komplexen Thema „Social Media“ sehr skeptisch gegenüber und fürchten den sagenumwobenen Shitstorm und kritische Kommentare. Klar können kritische Kommentare kommen, allerdings ist die  aktive Kommunikation in den Social Media die einzige Chance, zumindest ein wenig Kontrolle über die Kommunikation zu erhalten. Was viele Unternehmen nicht bedenken: Auch wenn das Unternehmen online nicht präsent ist, kann Kritik geäußert werden. Ausserdem bietet der Social Media Gigant Facebook auch die Möglichkeit ein Unternehmen zu bewerten OHNE das dieses Unternehmen eine eigene Fanpage betreibt! Die eigene Social Media Präsenz bieten somit die Möglichkeit, einen Teil der Kritik nicht nur mitzubekommen sondern auch schnell, nachhaltig und kundenorientiert darauf reagieren zu können. Desweiteren sollte bei aller Skepsis auch immer wieder bedacht werden dass Kommentare – gerade kritische – eine hervorragender Weg sind, kostenloses und echtes Kundenfeedback zu erhalten, um Produkte und Dienstleistungen weiter verbessern werden können. Dies gelingt durch professionelles Monitoring und Controlling – wer nur auf Views und Anzahl der Fans schielt wird niemals die Kontrolle über seine Social Media Kanäle erhalten!

Social Media ist immer ein Dialog-Angebot

Klar kann Social Media ein Dialog-Angebot an Fans und Kunden sein allerdings kann Social Media auch als reine Infokanäle genutzt werden und via Einweg-Kommunikation dazu nutzen, relevante Informationen zu verbreiten. Social Media ist Marketing und das kann sowohl als Dialog oder Einweg Kommunikation genutzt werden. Oftmals ist der Dialog auch ein Prozess der erst entsteht wenn via Einweg-Kommunikation relevante Informationen verbreitet wurden und darauf hin Kommentare, Rückfragen oder Anmerkungen von Kunden, Fans oder Interessenten eingehen. Mit steigender Anzahl von Followers bzw. Fans wird aus einem Infokanal immer mehr ein Dialog-Angebot an die Zielgruppe.

Facebook lohnt sich nur für große Unternehmen.

Aufgrund der sinkenden organischen Reichweite von Facebook-Seiten wird dieser Mythos in den letzten Monaten immer häufiger geäußert. Eigentlich ist es nichts wirklich Neues:  Wer seine Reichweite ausbauen will und neue Kunden und Interessenten erhalten will, kommt um Werbeschaltungen nicht herum – das war schon im Zeitalter VOR Social Media so und ist jetzt nicht anders. Während viele Unternehmen im Marketing ihr Heil in Anzeigenschaltungen in irgendwelchen regionalen Anzeigenblättern suchten bietet hier Social Media viel bessere Möglichkeiten um zielgruppengenaue Werbeschaltungen vorzunehmen. Somit ist es auch mit einem recht kleinen Budget möglich schnell und nachhaltig seine Reichweite zu erhöhen und neue Interessenten, Fans und Follower zu generieren.  Allerdings ist eine Erhöhung der Fans und Follower nur dann zielführend, wenn diese Fans und Follower auch nachhaltig mit Informationen versorgt werden. Dies bedingt, dass sich „irgendjemand“ um die Social Media Kanäle kümmern muss. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist gerade dies das Hauptproblem – denn Social Media macht man nicht einfach „nebenbei“ so alle paar Tage ne halbe Stunde – Social Media ist ein laufender Prozess der zumindest stündlich Kontrolle und Pflege benötigt und immer wieder kontinuierlich und fortwährend mit neuen Inhalten die Fans und Followers versorgen soll. Dieses Wissen vorausgesetzt macht es keinen Sinn, irgendjemand im Unternehmen die Betreuung der Social Media Kanäle zusätzlich zum normalen Arbeitspensum zu übergeben, noch dazu, wenn er Social Media und die Zusammenhänge und Möglichkeiten nicht erlernt hat. Wer Social Media betreibt, sollte es richtig machen – und benötigt hierfür Spezialisten – vermutlich darauf basiert der Mythos, denn Spezialisten, egal ob Social Media Agenturen oder Social Media Manager kosten Geld.

Social Media kann doch jeder

Nun ja – Fliesenlegen und ein Auto reparieren kann auch jeder – also zumindest theoretisch. Fakt ist dass es dennoch Fliesenleger-Fachbetriebe und Autoreparatur-Werkstätten gibt – warum bloß? Klar ist Social Media vor allem Facebook mit über einer Milliarde Mitglieder ein wirklich breiter Pool vom Menschen die Facebook bedienen können – allerdings nur die eine Seite – die Anwenderseite. Wer Facebook als Social Media Kanal für sein Unternehmen betreibt, muss einen gänzlich anderen Bereich von Facebook bedienen – die eigene Fanseite die sich gänzlich von einer persönlichen, anwenderbezogenen Profilseite unterscheidet und auf der es ganz andere Funktionen und Möglichkeiten gibt. Wer es sich zutraut ohne umfassende Kenntnisse eine Fanseite zu betreiben, Werbeanzeigen zu schalten und das Monitoring durchzuführen, kann auch ohne Vorkenntnisse einen Motor auseinander und wieder zusammenbauen – kann klappen, muss aber nicht zwangläufig von Erfolg gekrönt sein!

Social Media Agenturen sind überflüssig.

Wie bereits beschrieben können Unternehmen natürlich Social Media selbst betreiben. Hierzu werden „nur“  kompetente Mitarbeiter mit fundiertem Wissen und die nötigen Ressourcen benötigt. Wer als Ein-Mann-Unternehmen seine Kernkompetenz nicht im Thema Social Media hat, oder als mittelständiges Unternehmen keinen Social Media Manager anstellen möchte, kann sich mit einer Social Media Agentur behelfen. Diese Agentur entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Entscheider die Konzepte, Ideen und Ansätze, setzt sie um und pflegt gleichzeitig die jeweiligen Kanäle. Mit einem professionellen Monitoring und Controlling gelingt es einer Agentur heute bereits Trends und negative Schwingungen zu erfassen, bevor ein Supergau wie ein Shitstorm sich entwickeln kann.

Social Media bieten kostenlose Reichweite und Sichtbarkeit.

Natürlich bietet Social Media potenziell eine riesige Reichweite, die sich grundsätzlich auch ohne Werbung und rein durch guten Content erreichen lässt, dennoch ist der gezielte Einsatz von Werbung sinnvoll und zweckmäßig. Gute, ernsthafte und nachhaltige Social Media Kommunikation kostet immer Geld, denn Reichweite ist nie völlig kostenlos.

Social Media hat SEO überflüssig gemacht

Hier sprechen wir von total unterschiedlichen Kanälen: Suchmaschinen wie Google und Social Media wie Facebook. Das eine kann das andere weder ersetzen noch macht Facebook mittlerweile Google überflüssig oder andersrum. SEO dient dazu in Suchmaschinen gefunden zu werden. Social Media dient dazu den Kunden und Interessenten dort zu erreichen wo er sich aufhält. Verglichen mit dem Zeitalter VOR Social Media können sie sich auch Google als Branchenbuch und Facebook als Zeitung vorstellen. Bei beiden sollte das Unternehmen vorhanden sein, aber während im Branchenbuch gezielt nach einer Lösung für einen Bedarf gesucht wird, bietet eine Anzeige in der Zeitung lediglich die Möglichkeit einen Bedarf beim Leser zu wecken.

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Hallo lieber Leser, ich schreibe in diesem Blog über Aktuelles und Interessantes aus dem Themenbereich: WordPress, Schulungen, Onlinemarketing und Social Media Marketing für Autohäuser. Meine Qualifikationen: zertifizierter Online-Marketing-Manager (macromedia), zweifach ZdK-zertifizierter Automobilverkäufer (BMW, Mercedes) mit über 16 Jahren Berufserfahrung, Ausbildung zum Verkaufsleiter (BMW), Coach für Nachwuchsverkäufer innerhalb der ZdK-zertifizierten Ausbildung. Als Dozent für Onlinemarketing bin ich u.a. bei der Macromedia-Akademie, München tätig.