Noch vor kurzer Zeit haben Autohäuser nur sehr wenige Gedanken auf ein effektives und zielgerichtetes Marketing und Online Marketing gerichtet. Die Autohersteller übernahmen diese Aufgabe für sie und plakatierten ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz mit Werbekampagnen, bauten zur Markteinführung eines neuen Modells tolle interaktive Internetseiten und erweiterten den Online-Konfigurator mit dem neuen Modell.

Das Autohaus selbst hat höchstens gelegentlich eine kleine Anzeige in einer lokalen Zeitung geschaltet, dem benachbarten Fußballclub Trikots besorgt und mit Werbung bedruckt, oder bei Markteinführungen die Zahl der Anzeigenschaltungen erhöht, evtl. noch ein paar Funkspots im örtlichen Lokalradio gebucht und an einem Tag das neue Produkt mit Catering, Freibier, Hüpfburg und Kinderschminken „in den Markt“ eingeführt.

Im Zuge der rasanten Verbreitung des Internets reichen diese Maßnahmen jedoch längst nicht mehr aus, und fast jedes Autohaus hatte bei den letzten Präsentationen von Volumenmodellen weder die erhoffte Besucherzahl am Markteinführungstag und selbstredend auch weniger Bestellungen in den kommenden Tagen.

Die Kunden und Interessenten sind heute gerade bei einem Modell welches neu bei den Händlern stehen wird bereits Monate vorher besser informiert wie die Autoverkäufer im Autohaus die die Ware schlussendlich verkaufen sollen – soziale Netzwerke, Blogger und Autofachzeitschriften berichten ununterbrochen von einem Modell und zeigen teilweise schon zwei Jahre vor der Markteinführung erste Bilder eines getarnten Fahrzeugs, welches dann mit Computertechnik retuschiert und mit anonymen Aussagen und Daten von Entwicklern „unterfüttert“ werden.

Blogger vs. Automobilverkäufern

Der Wandel der Informationsbeschaffung ist für Autohäuser mittlerweile tagtäglich spürbar. Während ohne Internet und Sozialen Netzwerken der Automobilverkäufer die Informationen zu einem Modell an Interessenten weitergab die ihn im Autohaus aufsuchten um diese Informationen auch zu bekommen übernimmt diese Informationsweitergabe heute das Internet, die unzähligen Auto-Blogger, Diskussionsforen, markengebundene Blogs sowie die Autofachzeitschriften.

Gerade Blogger werden von den Automobilherstellern wie Journalisten behandelt, auch wenn sie noch keinen Presseausweis beantragt haben – denn jede Meinung, jeder Erfahrungsbericht ist eine Form von Online Marketing für den Hersteller bzw. das Automobil – und somit übernimmt ein Blogger heutzutage die Tätigkeit des Automobilverkäufers was die Weitergabe von Informationen angeht.

Der Interessent „braucht“ den Automobilverkäufer nicht mehr zur Informationsbeschaffung, er geht hierzu nicht mehr ins Autohaus, sondern holt sich die gewünschte bzw. gesuchte Information schnell und einfach 24-stunden am heimischen Küchentisch oder per Smartphone in der S-Bahn etc. Somit kann die Verkäufer-Interessenten-Beziehung nicht mehr wachsen, da gut informierte Interessenten lediglich einen „Abwickler“ ihrer oftmals schon im Internet vorkonfigurierten Bestellung suchen.

Suche nach Bestellungs-Abwickler

Der Autoverkäufer aber natürlich gerade das Autohaus trifft aufgrund des Wandels heute auf kaufbereite Interessenten die eine genaue Vorstellungen vom Produkt „Automobil“ haben – oftmals auch bereits mit Vergleichsangeboten aus dem Internet zum örtlichen Autohaus kommen – m.a.W. die Interessenten haben bei Ihrer Recherche bereits verschiedene Autohäuser bzw. Internet-Vermittler „gefunden“ und das Angebot wird nun mit dem vom örtlichen Autohaus verglichen!

Hier versteckt sich für Autohäuser ein erhebliches Verbesserungspotential – denn natürlich wäre es für das Autohaus besser bereits vor den Vergleichsangeboten eine Kunden-Autohaus Beziehung zu dem vermeintlichen (Neu-)Kunden zu pflegen und bereits die Kompetenz und Reputation des Autohauses dem zukünftigen Kunden erlebbar gemacht zu haben.

Die Chance für Autohäuser: sozialen Netzwerke und lokales Online Marketing

Genau das ist aber heutzutage auch die Chance für Autohäuser und Autohändler den kaufbereiten Kunden mit sozialen Netzwerken, lokale Suchanfragen und verschiedenen Wissensportalen direkt und sehr präzise anzusprechen – und gerade eine lokale, örtliche Online Marketing Strategie bietet hier die Möglichkeit dem Interessenten bereits am Anfang des Kaufprozesses in der Angebots- und Entscheidungsfindung unterstützend zur Seite zu stehen und die Kompetenz und Reputation des Autohauses zu erleben.

Neueste Studien gehen davon aus, dass die erste Kontaktaufnahme zum Händler bzw. zum Autohaus vermehrt über das Internet stattfindet – oftmals sogar „versteckt“ – also über Suchanfragen in den diversen Suchmaschinen und Einträge und Meinungen in Blogs und Erfahrungsportalen sowie einer Form von Empfehlungsmarketing über die diversen Social Media Kanäle.

Veränderte Marketing-Welt: indirektes Online Marketing

Während die klassische Zeitungsanzeige bzw. die klassische Bannerwerbung immer weniger wahr genommen werden stellt gerade das „indirekte Online Marketing“ über Blogs, Social Media Netzwerke, Erfahrungs- und Bewertungsportale und Empfehlungen in Foren für die kommenden Jahre an Autohäuser die Herausforderung, auch in Zukunft wahrgenommen zu werden.

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Hallo lieber Leser, ich schreibe in diesem Blog über Aktuelles und Interessantes aus dem Themenbereich: WordPress, Schulungen, Onlinemarketing und Social Media Marketing für Autohäuser. Meine Qualifikationen: zertifizierter Online-Marketing-Manager (macromedia), zweifach ZdK-zertifizierter Automobilverkäufer (BMW, Mercedes) mit über 16 Jahren Berufserfahrung, Ausbildung zum Verkaufsleiter (BMW), Coach für Nachwuchsverkäufer innerhalb der ZdK-zertifizierten Ausbildung. Als Dozent für Onlinemarketing bin ich u.a. bei der Macromedia-Akademie, München tätig.